
Jungen als Opfer von Gewalt
Fachtag zu Opferperspektiven von Jungen
In Kooperation mit der Fach-AG Jungen und junge Männer in Dresden
Gefördert durch das Jugendamt Dresden
10. September 2010
in der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit Dresden, Semperstraße 2 A in 01069 Dresden
Die Dresdner Facharbeitsgemeinschaft Jungen und jungen Männer arbeitet seit Dezember 2009 an dem Thema „Jungen als Opfer von Gewalt". Dabei ist uns klar geworden, dass Gewalt, und damit auch Opfererfahrungen, bei allen Jungen, mit denen wir arbeiten, zu 100% Thema ist oder war. Da die Jungen, mit denen wir arbeiten alle sozialen Schichten repräsentieren, wird diese Größenordnung auch bei den von sozialer Arbeit nicht adressierten Jungen ähnlich sein.
Jungen gelten in unserer Gesellschaft vorwiegend als aggressiv, einfordernd, grenzüberschreitend. Sie werden oft als Täter in Gewaltsituationen gesehen. Aber was ist mit den männlichen Opfern? Ihre speziellen Bedürftigkeiten werden nicht erkannt. Und dies bei täglicher Berührung mit dem Thema (verbale Gewalt, psychische Gewalt, sexuelle Gewalt, drohender Gesichtsverlust, Ausgrenzung, häusliche Gewalt, Mobbing .... ). Die Opferseite wird nur selten thematisiert. Zurück bleiben die unbearbeiteten, schlimmstenfalls Traumata auslösenden Erfahrungen der Opfer.
Im Erleben von Gewalt als Opfer neigen Jungen in der Folge oft zum Rückzug bzw. fühlen sich als Verlierer der Situation. Umso wichtiger ist es, als Professioneller im Rahmen pädagogischen Einflusses, die eigene Person in den Kontext hineinzubringen und sensibel sowie einfühlsam die Gewalt und das Opfersein zu thematisieren.
Das kann nur dann gut und nachhaltig gelingen, wenn die MitarbeiterInnen das Thema Gewalt und Opfer-Sein in ihrer Praxis und im eigenen Erleben reflektiert und bearbeitet haben.
Ausreichend Raum, Zeit, Erfahrung, Empathie und/oder das Wissen um die geeigneten Anlaufstellen sind weitere wichtige Komponenten in der Arbeit mit den betroffenen Jungen.
Fach AG Jungen und junge Männer Dresden 2010
Programm
10:00 Uhr Begrüßung Lars Wöbbeking (Vertreter Fach-AG Jungen und junge Männer)
und Holger Strenz (Männernetzwerk Dresden e.V.)
10:10 Uhr Grußworte Beigeordneter für Soziales
Bürgermeister Martin Seidel
10:30 Uhr Theorieimpuls - „Du Opfer!” Nur ein Schimpfwort oder Ausdruck einer
unausgesprochenen Realität. Von Ohnmacht- und Gewalterfahrungen und
deren Bewältigung bei Jungen
Dr. Elvers (TU Dresden, Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie)
11:30 Uhr Praxisimpuls „Richtige Jungen sind keine Opfer“
Rolf Tiemann (Bremer JungenBüro)
12:00 Uhr Mittagspause
13:00 Uhr parallele Workshops (siehe unten)
15:00 Uhr World-Café der Workshops
16:00 Uhr Abschluss der Fachtagung
Workshops
1.) Sexueller Missbrauch - Jungen werden als Opfer von sexu-ellem Missbrauch immer noch wenig wahrgenommen. Wie zei-gen sich Folgen von Missbrauch bei Jungen und wie können wir mit den Betroffenen umgehen? Führen sexuelle Übergriffe auto-matisch zu eigenem delinquenten Sexualverhalten? Wie kön-nen wir mit Jungen umgehen, die im Spannungsfeld zwischen Opfer & Täter sexueller Gewalt stehen? Volker Hoffmann, (Ausweg Dresden; AWO Kinder- und Jugendhilfe gGmbH) & Uta Troike (Kinderarche Sachsen e.V.)
2.) Gewalt im öffentlichen Raum - „Ich war nie Opfer!“ Vom Verwischen eigener Opfererfahrung bis zum gewaltbereiten Fan. Fangewalt als Veranschaulichung von Hierarchie und Machtgefühlen innerhalb einer Gruppe und Prozesse der Kompensation vergangener Opfererfahrung. Torsten Rudolph (Fanprojekt Dresden e.V.) & Gerald Schade (Streetworker; Diakonie - Fachteam Mobile Jugendarbeit Dresden-Pieschen)
3.) Mobbing - „Allein gegen Alle“ oder „Alle gegen Einen“ Ohnmacht von Jungen in einem gruppendynamischen Prozess der Angst und Schikane. Welche Handlungsmöglichkeiten bei Mobbing gibt es? Armin Krohe-Amann (PfunzKerle e.V. Tü-bingen) & Jens Vogel (Schulsozialarbeit DD Johannstadt-Nord)
4.) Vom Opfer zum Täter - Nur wer zurückschlägt, ist stark! Gegengewalt als männliche Handlungsstrategie lässt eigene Opfererfahrung vergessen. Von der Kausalität zur differen-zierten Betrachtung eines allumfassenden Phänomens. Jens Nitsche (Jugendgerichtshilfe IPP LH Dresden) und Robert Hänsel (Fach AG/Kinder- und Jugendhaus Mareike)
5.) Erziehungsgewalt - „Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“, wird besonders bei Jungen vermutet. So wird körperliche Gewalt noch oft als nötiges Disziplinierungs-mittel gerechtfertigt. Auch subtilere Opfererfahrungen, wie materielle oder emotionale Vernachlässigung bis hin zu Demütigung, sind Teil der familialen Lebenswelten von Jungen. Der WS sensibilisiert für jungentypische Anzeichen sowie für ihnen entsprechende Handlungsoptionen bei Erziehungsgewalt. Andreas Rösch (Erziehungsberatungs-stelle, Diakonisches Werk Stadtmission Dresden) und Lars Wöbbeking (Kinder- und Jugendnotdienst LH Dresden)
6.) Gewalt in den Medien - Welche medialen und virtuellen Bilder von Jungen als Opfer gibt es und welche Überlebens-strategien haben diese inszenierten Jungen und Männer? Wie sieht die Realität dazu aus bzw. wie unterscheidet sich diese? Carsten Schöne (Jugendinfoservice LH Dresden) und Thomas Neumann (Jugendamt LH Dresden)
7.) Traumata und ihre Auswirkungen - Wie bewältigen Jungen und junge Männer Traumata und welche Folgewir-kungen werden dabei sichtbar? Dr.Julia Schellong (Trauma-netz Sachsen) und Tim Dunkel (PTBS-Experte Bundeswehr)
8.) Praxiserfahrungen aus der Arbeit mit gewaltbetrof-fenen Jungen - Jungen mit Gewalterfahrungen zu unter-stützen verlangt einen wachen Blick. Anhand von Praxiser-fahrungen werden Überlebensstrategien von und die Arbeit mit gewaltbetroffenen Jungen vorgestellt. Rolf Tiemann (Bremer JungenBüro)
Kosten: 35 € / 25 € ermäßigt (StudentInnen, Arbeitslose etc.) 7,50 € für StudentInnen der EHS. Die Tagungskosten verstehen sich incl. Getränke, für 3,50 € kann ein Mittagessen der Suppenbar bestellt werden (Suppenauswahl vor Ort möglich).
Überweisung auf das Konto 320 002 33 75 des Männernetzwerkes Dresden e.V. bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, BLZ 850 503 00,
Kennwort: “Fachtag Jungenarbeit 2010” (mit/ohne Mittag)
Anmeldung bis 1. September 2010 mit Workshopwunsch. Die Anmeldung gilt mit Eingang der Zahlung als verbindlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt
Anmeldung:
Fon 03 51 | 79 66 352
Fax 03 51 | 79 66 349
Mail fachstelle@maennernetzwerk-dresden.de
Anschrift Schwepnitzer Straße 10
01097 Dresden
Flyer downloaden (PDF ca. 2,1 MB)
Anmeldung downloaden (PDF ca. 0,7 MB)